"Ich fürchte, rund ein Drittel der Menschen hat sich schon von der Demokratie verabschiedet", urteilt Frank Karl von der Friedrich Ebert Stiftung. Eine so große Distanz zum politischen Geschehen hatte man trotz der wachsenden Armut nicht erwartet. Die Befragung der Bevölkerung durch die Friedrich-Ebert-Stiftung hat ergeben, dass sich nur noch 62 Prozent der Bürger gerecht behandelt fühlen, während jeder Vierte sich ausdrücklich beklagt und angibt "ungerecht" behandelt zu werden. Während im gesamten Bundesgebiet jeder Dritte glaubt, dass Demokratie keine Probleme mehr löst, sind in Ostdeutschland sogar 53 Prozent der Menschen dieser Ansicht. Vier von zehn Deutschen zweifeln demnach insgesamt, dass die Demokratie überhaupt noch funktioniert.
Die Forscher hat bei ihren Interviews mit den repräsentativ ausgewählten Bürgern überrascht, dass sich nicht nur wirtschaftlich schwächere Schichten demokratie-kritisch äußern, sondern die Glaube an das politische System offenbar insgesamt dramatisch zurückgegangen ist. Zuerst entfernen sich zwar jene Schichten, die sich selbst als abgehängt oder arm betrachten, die Distanz zur Demokratie reicht aber weit über diese Gruppe hinaus. "Das deutet darauf hin, dass viele Menschen fürchten, demnächst abzurutschen und sie machen das System dafür verantwortlich", analysiert Karl.
Presseportal: Kurier am Sonntag