Der Tod des kleinen Kevin aus Bremen im vergangenen Jahr rüttelte die Öffentlichkeit einmal mehr auf: Kinder brauchen auch in ihren Familien besonderen Schutz. Fehlendes Einkommen, geringe Bildung und mangelnde soziale Einbindung sind nach Erfahrung des Präsidenten des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, oft die Auslöser für Kindesmisshandlung. Das Bundesjustizministerium arbeitet daher derzeit an einem Gesetzentwurf, der dem Staat mehr Handlungsspielraum gibt. Regelmäßige Elterngespräche, die gerichtlich angeordnet werden können, sind dabei ebenso in der Diskussion wie die gesetzliche Vorschrift des Kindergartenbesuchs.
Erschreckend sei nach wie vor die hohe Dunkelziffer bei der Misshandlung von Kindern in Deutschland. Von deutlich mehr als einer Million Fälle kommen bei der Polizei nur wenige tausend zur Anzeige.
Zunehmende wirtschaftliche Armut habe das Problem in den vergangenen Jahren deutlich verschärft, mahnte Hilgers vom Kinderschutzbund. 2004 lebten laut Statistischem Bundesamt 1,1 Millionen Kinder in Deutschland von staatlicher Unterstützung, im März 2007 waren es bereits 2,6 Millionen.
Die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger plädierte dafür, Hebammen zu Familienhebammen weiterzubilden und ihren Einsatz in der Familie bis zu einem Jahr zu sichern. Heute sei das maximal für drei Monate möglich. «Die Hebamme ist oft der Erstkontakt zur Familie, sie sieht, wo Hilfe benötigt wird», sagte die Ministerin. Die wichtige Frage der Finanzierung von Maßnahmen wie beispielsweise der Familienhebamme blieb allerdings weitgehend offen. Bundes- und Ländervertreter waren sich jedoch weitgehend einig, dass eine effektive Prävention letztendlich in den Kommunen umgesetzt werden muss. «Neben den Behörden und Ärzten brauchen wir auch die Erzieher und Schulen in dem Netzwerk», sagte Sozialministerin Lautenschläger. «Das kann man nur vor Ort initiieren.
Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts und frühere niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer plädierte außerdem für ein Gesetz, das sich in Schweden bereits bewährt habe. Dort werden alle Schulkinder einmal pro Jahr von unabhängigen Kinderschützern besucht. Da sie den Kindern gegenüber zum Schweigen verpflichtet sind, hätten misshandelte Kinder hier eine unabhängige Vertrauensperson, der sie ihre Schwierigkeiten mitteilen können.
http://www.pr-inside.com/de/praevention-wichtig-gegen-kindesmisshandlung-r215629.htm